Mariss Jochen,  Roman

~ eine Geschichte die noch lange nachhallt

Rezensionsexemplar zur Leserunde bei lovelybooks
Coverrechte liegen beim Verlag

Klappentext
Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, um bei sich anzukommen

An einem heißen Sommertag strandet ein junger Mann bei der Fährfrau Sara Harmsen und bringt all ihre sorgsam errichteten Mauern ins Wanken. Ein Roman über alte Wunden und den Mut, sich wieder auf das Leben einzulassen.
Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und versteckt ihn bei sich. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur des Hühnerstalls und beim Sensen der Obstwiese kommen sich Sara und Leon zögerlich näher und bringen den Mut auf, sich ihren alten Wunden zu stellen. Und sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer …

Meine Meinung und Fazit
Jochen Mariss überrascht uns mit seinem ausgezeichneten Romandebüt, das als: »Das Buch des Sommers« gefeiert wird. Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden und konnte mit den Figuren lachen und weinen. Der große Altersunterschied zwischen den Protagonisten fand ich sehr spannend, und bis zum Ende hoffte ich, dass daraus bitte keine Liebesgeschichte entstehe. Die Fährfrau Sara Harmsen lebt am Fluss, mit ihren Hühnern und ihrer Hündin Luna, allerdings nicht gerade optimal. Eine traurige Vergangenheit lässt sie nicht los und der Bürgermeister hat auch noch das Anliegen, auf ihrem Land eine Brücke zu errichten. Dadurch würde er ihr Einkommen und ihre berufliche Tätigkeit entziehen. Außerdem käme noch ihr Land dazu, und sie würde direkt neben der Autobrücke wohnen. Es ist offensichtlich, dass sie das nicht will. Plötzlich erscheint Leon, jung und verletzt. Einige Zeit vergeht, bis Sara sein Geheimnis entdeckt und von ihm sehr enttäuscht ist. Im Verlauf der Geschichte wird jedoch deutlich, weshalb Leon das nicht publik macht.
Mir hat sehr gut gefallen, wie der Autor den Altersunterschied in die Geschichte integriert hat. Ich habe seine Protagonisten als glaubwürdig wahrgenommen und konnte ihr Verhalten in vielen Fällen nachvollziehen. Einige der Nebenfiguren mochte ich sehr. Sie haben Sara so akzeptiert, wie sie ist, und vielleicht haben sie auch ein wenig in ihre Seele geschaut. Das Setting hat mir ebenso gut gefallen und die Fähre, die nur mit eigener Kraft fährt, fand ich sehr informativ.
Die im Roman behandelten Themen bieten auch viel Raum für eigene Überlegungen. Beispielsweise: Klimawandel, Natur, Verlust und Vertrauen, um nur einige zu nennen. Ich mochte Jochen Mariss’ Schreibstil sehr. Es ist herrlich zu lesen, und einige Metaphern betonen das Geschriebene. Mir haben insbesondere die Anfangsworte des Autors am Buchanfang gefallen:
»Für alle, die trotz allem, was täglich geschieht auf unserem blauen Planeten, nicht aufgeben, nicht abstumpfen, nicht verbittern, nicht gleichgültig werden, nicht die Augen verschließen, nicht die Hände in den Schoß legen, sich nicht auf die Aussichtslosigkeit berufen, auf die eigene Schwäche, die nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern Tag für Tag, so gut es geht und auf ihre Art, dem Unrecht die Stirn bieten und das Leben umarmen.«

Ich empfehle das Buch des Sommer – Tage am Fluss sehr gerne weiter und vergebe 5 schwimmende 🐥🐥🐥🐥🐥 Hühnchen.

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